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Von Den Besten Frauen Lernen

Von den besten Frauen lernen

15 Schülerinnen des Fördegymnasiums sind zum ersten „WunderNova“-Sommerfest in Berlin eingeladen

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Von Antje Walther

FLENSBURG Die Bilder ihres durch die Luft wirbelnden Rennwagens beim „Macau Grand Prix“ im November 2018 lassen das Blut in den Adern gefrieren. Doch keine vier Monate nach ihrem schweren Unfall gab die 18-jährige Sophia Flörsch ihr Comeback als Rennfahrerin, beeindruckte mit Stärke und positiver Kraft.

Am Sonnabend bekommen 15 Schülerinnen des Fördegymnasiums Flensburg in Berlin die Chance, Persönlichkeiten wie Sophia Flörsch zu treffen. Anlass ist das erste „WunderNova Sommer-, Frauen- und Thinkfest“ in Berlin. 300 Teilnehmer werden erwartet, darunter 40 Jugendliche.

Der Kontakt kam über Kirsten Mikkelsen der Europa-Uni Flensburg zustande. Sie forscht insbesondere über alles, was mit Gender und Gründen zusammenhängt. Über ihr Netzwerk zu „Women Empowerment“ sowie dank Twitter lernte die Flensburgerin Angela Caterina De Giacomo kennen. Die wiederum pendelt unter anderem als Vermögensberaterin zwischen ihrem Wohnort Berlin und Indien. Beide Frauen haben einander inspiriert–De Giacomo stieß das erste „WunderNova“-Sommerfest an und lud Mikkelsen als Expertin auf das Panel „Wissenschaft“ ein.

Dort trifft die Wissenschaftlerin aus Flensburg auf Dr. Dilek Gürsoy, die erste Herzchirurgin in Europa, die einem Patienten ein Kunstherz implan- tierte. Und auf Carmen Köhler, die als sogenannte Analog-Astronautin zum Team gehört, das den Flug ins All zweier deutscher Frauen im Jahr 2020 vorbereitet. Kirsten Mikkelsen schlug vor, 15 Jugendliche aus Schleswig-Holstein nach Berlin einzuladen. Denn eines der Ziele des Sommerfests sei, jungen Frauen einen unmittelbaren Blick in die Berufs- und Arbeitswelt zu bieten und mit weiblichen Vorbildern in Berührung zu bringen. Mikkelsen nutzte ihren Kontakt zu Lehrerin Maike Hanf, die am Fördegymnasium unterrichtet. Sie habe sofort einen Rundruf unter Schülerinnen des 10. bis 12. Jahrgangs gestartet, berichtet Hanf. Und sie dachte, für die Schule könnten die Schülerinnen Multiplikatorinnen sein.

Die Gymnasiastinnen haben nicht lange gefackelt. „Warum soll ich mir so etwas entgehen lassen“, hat sich Luisa gefragt. Die 15-Jährige weiß genau, dass sie sich später als Psychologin selbstständig machen will. Sie möchte gern von erfolgreichen Frauen Tipps erhalten und sich ermutigen lassen. „Inspiration schadet nicht“, sagt auch die 18-jährige Sara C.. Sie macht in einem Jahr Abi und liebäugelt mit Polizei oder Justiz als berufliche Richtung. Bei der Polizei, sagt sie, gebe es lediglich ein Drittel Polizistinnen, obwohl die es „genauso gut können wie Männer“. Sie findet es spannend zu erfahren, wie die Frauen, die beim Sommerfest auftreten, ihren „Mittelweg“ gefunden haben zwischen dem „natürlichen Wunsch nach Familie und Selbstbestimmung“.

Auch Sara E. (16) interessiert sich dafür, wie „diese Frauen es geschafft haben, nicht in die typische Rolle“ zu geraten und ihre Karriere mit Familie in Einklang bringen. Die 15-jährige Nele empfindet die Teilnahme am Fest als Chance, tolle Frauen zu treffen, um herauszufinden,„wie sie sich durchgesetzt haben und mit Niederlagen umgehen“. Am besten sei die Mischung und sich von jeder etwas abzugucken. Ihre Schule, sagt Maike Hanf, sei nicht zuletzt an Kontakten interessiert, um die Förderung der „Mint“- Fächer zu intensivieren.

Bevor die Flensburger Delegation am Sonnabend von Angela De Giacomo begrüßt wird und der Keynote Elke Büdenbenders lauscht, macht sie am Freitag nach Ankunft in Berlin einen Abstecher zu Microsoft Unter den Linden und bekommt eine Führung. Wieder eine Frucht eines Twitter-Kontakts von Kirsten Mikkelsen. Am Tag darauf können die Schülerinnen dann im „Dialog Politik“ Brigitte Zypries und die Botschafterin Frankreichs kennen lernen, in den Panels New Work, Ethik, Wissenschaft und Sport auf herausragende Frauen treffen und sich mit Gründerinnen unterhalten.

Auch die neun Sponsoren sind hochkarätig. Und unkonventionell: Maike Hanf berichtet, wie sie für die Gymnasiastinnen im Hostel die Zimmer buchte. Als sie den Hintergrund des Besuchs erklärte, erließen die Hotel-Betreiber der Gruppe die Kosten für Handtücher und Bettwäsche. „Es ist eine große Freude zu sehen, dass so viel Unterstützung von mehreren Seiten kommt.“

(Flensburger Tageblatt vom 22. Mai 2019, Seite 8)

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